Lexikon

Jetzt will ich's genau wissen

 
Das ist
hier doch
viel zu bunt
 
Feuerspucken
    Effekt mit Feuer, der so aussieht, als würde man aus dem Mund Feuer spucken können.

    Unbedingt gehört an diese Stelle in unser Lexikon:
    Spucken mit Feuer ist nicht nur gefährlich, sondern kann im schlimmsten Fall TÖDLICH sein! Robert ist gerade (2004) dabei, Erlebnisse bzw. Artikel über solche Unfälle zu sammeln, um in Zukunft andere vor den wirklich oft nicht bekannten Gefahren zu warnen.
    Haltet doch auf den nächsten Conventions mal Ausschau nach dem Info-Zettel oder fragt uns!

    Auszüge aus Roberts Recherchen über Feuerspuckfluiden und Bärlappsporen:

    HILFE FEUER
    An alle Feuerspucker, Kurs- und Workshopleiter, Lehrer und an alle, die das Feuerspucken lernen möchten oder Feuerspucker bewundern.


  • Was kann beim Feuerspucken passieren?
  • Langzeitwirkungen in aller Kürze
  • Zitate aus Büchern
  • Schluß eines Behandlungsverlaufes eines Betroffenen
  • gemeldete Fälle beim Umweltmedizinischen Informationsdienst
  • gereinigtes Fluid gefährlicher als ungereinigtes?
  • Gefahren von nicht entzündeten Bestandteilen in der Luft
  • Gefahren durch die verharmlosten Bärlappsporen
  • registrierte Todesfälle
  • Aufruf zur Eigenverantwortung


  • Was passiert beim Feuerspucken? Was kann passieren?
    Wir müssen unterscheiden in gesundheitliche Schäden durch:

  • Feuer und Verätzungen auf der Haut, Haare, Augen - außen am Körper;
  • Rückschlagen der Flamme mit Verletzungen im Mundraum, Luftröhre und Lunge; (auf diese Gefahren wird im Flyer nicht eingegangen)
  • krebserregende Bestandteile in den Brennstoffen und den damit verbundenen Langzeitwirkungen im Mundraum, Speise- und Luftröhre, Magen und Lunge;
  • Verätzungen u.ä. durch die Brennstoffe und den damit verbundenen Langzeitwirkungen im Mundraum, Speise- und Luftröhre, Magen und Lunge (im Folgenden kurz angeschnitten);
  • sofortige Wirkungen durch im Mund Behalten eines Brennstoffes, oder versehentliches Verschlucken in Lunge, Magen, Rachen, Luft- und Speiseröhre. (Schwerpunkt hier)


  • Man sieht immer wieder Feuerspucker, denen ihr Feuerspuckfluid aus dem Mund den Hals runterläuft. Das ist ziemlich unvermeidlich, da es zu den Eigenschaften des Fluids gehört, dass es keine Oberflächenspannung hat und damit schwer im Mund zu halten ist. Der Hals rötet sich in der Regel, da die Haut angegriffen wird. Was den meisten nicht klar ist, dass die Flüssigkeit genauso hinten im Rachenraum runterfließen kann!
    Wenn durch ein versehentliches Verschlucken etwas des kohlenwasserstoffhaltigen Fluids in die Lunge kommt, legt sich ein feiner Film über die Bronchien, verklebt und verstopft sie. Das ist vollkommen unabhängig, mit welcher Flüssigkeit gespuckt wird und wie hochgradig sie gereinigt ist. Fast alle sind kohlenwasserstoffhaltig (sonst würde das Entzünden auch nicht funktionieren) oder haben ähnliche Eigenschaften (das trifft auch auf sogenannte Ökoprodukte zu, wie z.B. Rapsölethylesther und auf Alkohol basierende Zugaben).
    Auch durch die fettlösenden Eigenschaften werden die Gewebsflüssigkeiten (Lymphe), die die Kapillaren umgeben, angegriffen. Beides verhindert dann einen weiteren Stoffaustausch und das Blut wird hier nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Das Immunsystem springt an und da es den Film nicht abbauen kann, entzündet sich das Gewebe. Binnen weniger Stunden kann der Betroffene dann nicht mehr eine kurze Treppe hinaufsteigen, da er unter Atemnot leidet. Eine Behandlung auf einer Intensivstation erfolgt mit Antibiotika, da der Körper selbst nicht Herr der Lage werden kann. Jetzt ist es von der Konstitution des Patienten abhängig und der Schwere der Entzündung, die sich auch über die nächsten Tage erst noch weiter ausbreiten wird, wie lange es bis zu einer Genesung dauert. Mir sind zig Krankheitsverläufe geschildert worden, die sich doch alle sehr ähnlich sind. Sie unterscheiden sich in Schäden in Lunge und Magen, in Menge der verschluckten Stoffe und in Behandlungsdauer von 5 Tage Krankenhaus über in ein mehrwöchiges künstliches Koma versetzen bis 30% Restlunge, Frührente und Warten auf eine Lungentransplantation! In der Regel sind es einige Wochen Intensivstation.

    Langzeitwirkungen:
    Auf diese wollte ich hier eigentlich nicht eingehen, denn die sollten bei den giftigen Stoffen, die alle Feuerspuckfluids enthalten, jedem bewusst sein.
    In aller Kürze aber:
    Alle kohlenwasserstoffhaltigen Feuerspuckflüssigkeiten greifen die Mundschleimhäute und das Zahnfleisch an (=Zahnausfall). Das Krebsrisiko für Rachen, Speiseröhre, Magen und Darm steigt erheblich! Die Schleimhäute des Magens und die Magenwände werden angegriffen. Mann bedenke, dass das im Mundraum Halten des Fluids Ausdünstungen unterlegen ist, welche sich in Rachen und weiteren Körperregionen ausbreitet!


    Das Aufmerksammachen auf die Gefahren beim Feuerspucken in einem 100-seitigen Fachbuch:

    Verschlucken von Feuerspuck-Fluid
    Das Herunterschlucken von Feuerspuck-Fluid muß auf jeden Fall verhindert werden. Inwieweit die einzelnen Fluids gesundheitsbedenklich sind, und inwiefern Möglichkeiten der Behandlung bestehen, darüber geben in der Regel die Herstellerhinweise Auskunft.
    Feuerschlucken und Feuerspucken, Patrick Fonger, Edition Aragon, Moers 1997, S.38

    Natürlich möchte der Autor ja auch sein Buch verkaufen, deshalb kann ich es auch ein wenig verstehen, wenn auch nicht gutheißen, wenn er überhaupt nicht auf die Gefahren beim Feuerspucken eingeht. Viel schlimmer finde ich die Einstellung einer bekannten Jonglierzeitschrift, die über das Buch eine sehr positive Kritik herausbrachte, obwohl ein offensichtlicher Mangel an Hinweisen auf Gefahren und gesundheitlichen Folgen besteht. Bei der Europäischen Jonglierconvention 1999 in Grenoble zur Rede gestellt, begründete die Herausgeberin das damit, dass man es sich nicht mit den Autoren verderben möchte:
    [...] Der Schwerpunkt des Buches liegt aber darauf, den sicheren Umgang mit dem Feuer und dazu benötigten Materialien zu vermitteln. [...] sind alle Aspekte abgedeckt, wie Behandeln von Brandwunden, [...] Gefahren und Sicherheit bei Vorstellungen. Das Buch ist mit der gleichen Sorgfalt und dem Bedacht geschrieben, wie es der Umgang mit dem Feuer verlangt.
    "Das ist schlichtweg und einfach falsch!
    Liebe Gabi, das hier ist nicht böse gemeint, wie Lais Franzen einmal in einem seiner berühmt berüchtigten Schlußworte sagte: "Auch eine böse Kolumne kann eine gute Kolumne sein und ist deshalb noch lange nicht schlecht." Ich halte Deine Kritik und die Einstellung zu Buchkritiken einfach für einen Fehler und hier in diesem Falle auch für gefährlich! Es würden nicht weniger deine Zeitschrift kaufen, wenn sie etwas ehrlicher wäre."


    Da jüngere Kinder (unter 10 Jahren) für´s Feuerspucken oft noch nicht genügend Druck beim Pusten entwickeln, bieten sich andere Übungen an.
    Josef Hense, Heiner Kötter, Ulrike Türk, Kölner Spielecircus, Verlag Maternus Köln, S.76f.
    Warnhinweise fehlen!
    Soll das heißen, dass Kinder über 10 Jahren Feuerspucken dürfen, können, sollen?
    UNVERANTWORTLICH!

    Aus: Umweltmedizinischer Informationsdienst 3/2002 (S.12f.):
    Kasuistiken
    Vergiftungsfälle beim "Feuerspucken"
    Symptome/Verlauf
    [...] Nach seinen Angaben habe er maximal [...] ca. 20ml verschluckt. [...] Nach mehr als 3-monatiger Behandlung konnte der Patient wieder selbständig laufen und nahm den Unterricht in einer Blindenschule auf.

    Dem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) sind bisher neun Fälle (3/2002) mit schweren oder mäßig schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei einer Gesamtzahl von 10 Meldungen im Zusammenhang mit "Feuerspucken" mitgeteilt worden.
    Besonders im Jahr 2000 kam es zu einem Ansteigen der Vergiftungsfälle. [...] Im Jahr 2001 ist es zu einem weiteren Anstieg dieser Meldungen mit schweren Folgen gekommen. In den bisher gemeldeten Fällen war vorwiegend die Altersgruppe der Jugendlichen betroffen. [...] Es kam zum größten Teil zu mäßig schweren bis schweren Pneumonien (Lungenentzündung). [...]
    In den deutschen Giftinformationszentren wurden in den Jahren 2000 und 2001 über 100 Fälle dieser Art registriert (Wie hoch wohl die Dunkelziffer ist?). In etwa 40% der Fälle traten z.T. schwere Pneumonien auf.
    Umweltmedizinischer Informationsdienst 3/2002, S.11

    Im Jahr 2003 kam das Gerücht auf, dass das mehrfach gereinigte Pyrofluid wegen seiner Feinheit noch viel weiter in die Lungenbläschen eindringen könnte und damit noch gefährlicher ist, als ungereinigte Paraffine. Hierfür fehlt jede Bestätigung. Mein eigenes logisches Denken (und sorry, das ist nur meine Meinung und kann durchaus falsch sein) läßt mich aber auf den Schluß kommen, dass auch nicht gereinigte Flüssigkeiten aus einem Anteil Unreinheiten und einem Anteil reiner Flüssigkeit besteht (sonst würde nach einem Rausfiltern auch nichts übrig bleiben!), also ebenso weit in die Lunge vordringt, wie ungereinigte Fluids. Im Gegenteil, unreine Bestandteile verstopfen z.T. schon vor den Lungenbläschen Abzweigungen und legen ganze Verästelungen lahm.

    Vor einigen Jahren kamen auch Bedenken auf, was denn mit den nicht entzündeten Bestandteilen, die in der Luft schweben, geschehen mag. Können die von Zuschauern eingeatmet werden? Wie erklärt sich eine Person, dass sie mit Lungenentzündung im Krankenhaus liegt? Erkennt sie einen Zusammenhang, zu der Straßenshow, die sie sich einen Tag vorher anschaute? Vielleicht gibt es auch aus diesen Gründen keine Zahlen über "Opfer" einer Feuershow? Vielleicht ist es für Zuschauer tatsächlich ungefährlich?


    Wirklich eine Alternative? Das Spucken mit Bärlappsporen
    (Lycopodium, Bärlapp wird auch Hexenkraut oder Drudenkraut genannt).
    Man hört immer wieder:
    "Das ist doch ein Naturprodukt, also ist es auch ungefährlich (Gesundheitlich unbedenklich)!"

    Wenn in einem Buch eine Bastelanleitung für eine Fackel steht, dass man dafür Asbestband nehmen muß, dann kommen die meisten selber drauf, dass der Autor da schlecht informiert war.
    Zirkus selbermachen, Zirkuskartei, Eschert, Küpper 1985
    Aber in unheimlich vielen Büchern steht, dass das Feuerspucken mit Bärlappsporen unbedenklich und damit auch für Kinder geeignet ist! Wahrscheinlich wurde da immer wieder voneinander abgeschrieben, ohne selbst zu recherchieren.

    Aus: Josef Hense, Heiner Kötter, Ulrike Türk, Kölner Spielecircus, Verlag Maternus Köln, S.76f.:
    [...] eignet sich hervorragend zum Feuerspucken, denn es ist rein natürlich (nicht giftig). [...]

    Nun, das ist nicht ganz richtig, bzw. die Schlußfolgerungen sind nicht korrekt:

  • Alte Bärlappsporen kommen in der Natur nicht vor, sie keimen oder verrotten.
    Verlagerte Bärlappsporen (oder auch Bärlapptee) werden toxisch!
    Nachdem in Apotheken kein Bärlappsporen mehr für das Pillendrehen verwendet wird, ist die Wahrscheinlichkeit verlagertes Bärlappsporen zu erhalten erheblich gestiegen. Deshalb sind auch die Preise dafür relativ stabil geblieben. Die Preise für Bärlappsporen sind ernteabhängig und schwankten Anfang der 1990er zwischen 20,- DM und 90,- DM für das Kilo.
  • Anfang der 1990er kam auch das Gerücht auf, günstige Bärlappsporen seien aus Osteuropa und damit radioaktiv belastet (Folgen des Tschernobyl-Unfalls). Nach eigenen privaten Messungen mit einem Geigerzähler konnte das für verschiedene Ernten nicht bestätigt werden (Danke auch an Reto). Entweder war das von Anfang an nur ein Gerücht, oder diese Bestände sind vom Markt verschwunden.
  • Bärlappsporen sind so genannte Drei-Kammer-Sporen, man muß sie sich wie winzig kleine Bucheckern vortellen: Sie haben drei Seiten und an den Enden Spitzen (Im Gegensatz zu z.B. rund gemahlenem Mehl, was ohne Mikroskop genauso aussieht.), die sich in die Bronchien verhaken und damit ebenfalls eine Lungenentzündung hervorrufen können!
  • Bärlappsporen greifen wegen ihrer feinen, trockenen und kantigen Struktur die Mundschleimhäute an.
  • Der Schließreflex der Luftröhre ist bei flüssigen Stoffen schneller als bei festen Materialien. D.h. die Wahrscheinlichkeit, Sporen in die Lunge zu bekommen, ist größer als bei Feuerspuckfluiden.
  • Sporen sind leichter und nicht entzündete Partikel können weiter in der Luft schweben und eingeatmet werden.
  • In der alternativen Heilpraxis wird bei bestimmten psychischen Problemen minimale Dosen von Lycopodium verabreicht. D.h. man könnte ein versehentliches Verschlucken beim Feuerspucken auch als eine Überdosierung eines Medikamentes bezeichnen.
  • Kleinere Mengen im Magen führen zu Vergiftungserscheinungen, beginnend mit Übergeben, Durchfall, Magenschmerzen und Fieber.
  • Meine mich beratende Apothekerin gab zusätzlich zu bedenken, dass Sporen im feuchtwarmen Klima der Lunge auch keimen können!



  • Mir sind für die Jahre 2001 und 2002 5 Todesfälle in Mitteleuropa bestätigt worden, für das Jahr 2003 liegen mir keine Zahlen vor. Im Winter 2003/4 soll ein Feuerspucker in München ums Leben gekommen sein, nachdem er sich beim Stolpern über ein Kabel verschluckte, hier fehlt mir aber noch eine Bestätigung.

    Machen wir uns nichts vor:
    So lange es viele Partygäste cool finden, wenn jemand Feuer spuckt,
    so lange das "In" ist, wenn auf Wald- und Wiesenfeten mit diesem "Element" gespielt wird #KOMMA#
    so lange Zuschauer mehr klatschen, wenn ein Seilläufer ohne Netz arbeitet #KOMMA#
    so lange Zuschauer begeistert sind, wenn es bei der Arbeit mit einem Todesrad schon Todesfälle gab #KOMMA#
    so lange werden Varieté und Zirkus für solche Nummern auch mehr bezahlen und so lange werden Amateure und Profis solche Nummern trainieren und zu Tode kommen!
    Also, Schluß mit dem Applaus für so genannte Todesnummern, wir treiben damit Menschen in den Tod!
    Bei Seilläufern sieht der Kunde Zuschauer die Gefahr, beim Feuerspucker nicht. Hier ist Eigenverantwortung gefragt!
    Das Erlernen des Feuerspuckens ist viel zu einfach!
    Liebe Kurs- und Workshopleiter, bitte zeigt Verantwortung, macht deutlich auf die gesundheitlichen Risiken aufmerksam oder noch besser: laßt das Feuerspucken und das Lehren ganz bleiben!

    Zitat eines Freundes von einem betroffenen Feuerspucker:
    "Keine Gage kann hoch genug sein oder kein Effekt toll genug, um dieses Risiko zu rechtfertigen."


    Auf medizinische Fachbegriffe wurde hier im Text bewußt weitgehend verzichtet, es soll verstanden werden und keine Doktorarbeit sein!
Quellen:
Martina (make)
Robert (roma)
im Text (text)
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